Dr. Know

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Re: Dr. Knows Tagebuch
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06. Februar 2007 - Crater Lake, frühmorgens (Fortsetzung)
Irgendwann endete unser Treffen - wir waren alle ziemlich müde. Ich zog mich in meinen Truck zurück und fiel fast sofort, nachdem ich es mir in meiner Koje bequem gemacht hatte, in einen tiefen Schlaf.
Gegen Mittag des nächsten Tages erwachte ich so langsam, war allerdings noch in einer Art Halbschlaf gefangen und fühlte mich irgendwie immernoch schläfrig - die Nachfolgen der seltsamen Erscheinungen, wie ich vermutete. Ich blieb noch einige Zeit in meiner Koje liegen, schaute mir verschiedene Sensordaten der Drohnen an und nahm ein paar Änderungen der Software und einiger Einstellungen vor, bevor ich mir eine kurze Runde BattleTech Online gönnte - es war dringend an der Zeit, einigen Herausforderern etwas auf die Mütze zu geben!
Um 1400 war der Krieg der Nachfolgestaaten gegen die Clans fürs erste wieder vorbei. Meine Einheiten waren wie so oft siegreich und wir konnten einige Bodengewinne und zusätzliche Einheiten verzeichnen - ein wenig Optimismus und gute Laune konnte mir für meinen aktuellen Auftrag nicht schaden. Bis zum Beginn des Rituals waren es noch ca. 9 Stunden.
In der Koje war es - im Gegensatz zu draußen - angenehm warm, außerdem schien es draußen wie auch gestern schon leicht zu nieseln - ein guter Grund, um liegenzubleiben und einige weitere Arbeiten, um die ich mich heute im Zuge unserer "Umverlegung" kümmern wollte. Es galt, die Sensorendaten durchzugehen, den Routinecheck bei den Drohnen vorzunehmen und allgemein auch die diversen Kanäle der Matrix abzuhören, was denn so alles über uns im Umlauf war.
Außerdem wollte ich mich heute endlich dem Banshee widmen - nachdem ich erfahren hatte, daß wir tatsächlich so eine Mühle zur Verfügung gestellt bekamen, hatte ich mich umgehend in der Theorie vorbereitet. In Simulatorsitzungen und VR-Umgebungen hatte ich so einen Vogel schon gesteuert, aber noch nie hatte ich die Gelegenheit, einen dieser Höllenmaschinen in echt steuern zu können - dementsprechend groß war meine Vorfreude darauf, falls wir ihn einsetzen konnten. Ich begann damit, über die VR die Kontrollen und die Elektronik einzurichten und an meine Bedürfnisse anzupassen. Die Mühle reagierte um Welten anders als alles, was ich bisher in den Händchen hatte - selbst die elektronischen Spielzeuge, die ich mit viel Liebe ausgewählt, in den Truck eingebaut und konfiguriert hatte, wirkten im Vergleich dazu stümperhaft und bestenfalls zweitklassig. So beschränkte sich mein erster richtiger Kontakt damit, das System für mich zu konfigurieren und einige Softwareupdates einzuspielen. Schließlich reizte es mich, direkt in der Mühle Platz zu nehmen. Ich kletterte aus meiner Koje, richtete mir einen Direktlink der Überwachungsdaten vom Truck zu mir ein und machte mich auf, den Banshee näher kennenzulernen.
Um kurz nach 1430 kam ich beim Banshee an und inspizierte den T-Bird erstmal von außen. Die Maschine war nicht fabrikneu, aber hatte auch noch keine auffälligen Kampfspuren oder ähnliches und war in tadellosem Zustand. Es handelte sich um eine leicht modifizierte Version - zugunsten besserer Beschleunigung und besserer Geschwindigkeit war ein Teil der Bewaffnung weggefallen. Es handelte sich anscheinend um ein Modell, das für schnelle und leise Scouteinsätze konzipiert war - die elektronische Ausstattung und Sensorenausrüstung war im Gegensatz zum Standardmodell verbessert. Aktuell war der Vogel neben der einwandfreien elektronischen Ausstattung mit einer leichten Kanone und einem Mehrfachraketenwerfersystem im Hauptgeschützturm ausgestattet. Der zweit, kleinere Geschützturm war nicht bestückt und konnte normalerweise mit einer Maschinenwaffe gerüstet werden, die man auch gegen Luftziele einsetzen konnte. Die passiven Abwehrmaßnahmen in Form von Chaffs, Flares etc. waren voll bestückt, ebenso war die Maschine vollgetankt und einsatzbereit. Ich öffnete die Kommandeursluke, die direkt in das mittlere der drei Abteilungen, den sogenannten "Kampfraum" führte. Hier gab es Platz für zwei Besatzungsmitglieder, normalerweise Kommandant und Schütze. Der Fahrer, saß im Regelfall vorne in der Fahrersektion in einem abgeschotteten Riggerkokon, der ihn schützte und von störenden Außeneinflüssen abschirmte. Der Riggerkokon war im Regelfall mit verschiedenen Zusatzoptionen versehen und der komplette Kokon als Schleudersitz ausgelegt. Ein weiteres Schott führte vom Kampfraum aus in den sogenannten "Nutzraum" im hinteren Teil des Banshee. Dieser Bereich wurde im Normalfall dazu genutzt, um weiteres Personal, Ausrüstung oder zusätzlichen Treibstoff und Munition für den Banshee zu transportieren und zu verstauen. Die Nutzsektion in diesem Fall bot vier zusätzliche Klappsitze sowie Stauraum für Ausrüstung. Die beiden Andockvorrichtungen für externe Tanks waren ebenfalls nicht bestückt.
Von innen verschloß ich die Luke wieder und während ich die Bordsysteme hier hochfuhr, verschaffte ich mir auch einen visuellen Überblick über den inneren Zustand des Vogels. Dann kletterte ich über das Innenschott in die Fahrersektion und begann, mich in den Riggerkokon zu schälen. Trotz der Anleitung der AR-Daten, ich ich mir schon vor einiger Zeit gezogen hatte, mußte ich mich erstmal zurechtfinden in dem Gewirr des Kokons, der neben verschiedenen Gurtsystemen noch weitere Kabel und Verbindungen zu den Bordsystemen hatte. Er war ebenfalls mit Biomonitorsystemen und Kanülen ausgestattet, um je nach Situation passende Medikamente zu verabreichen. Als ich den Kokon das erstemal um mich schloß, fühlte ich mich auf einmal sehr seltsam - es war sehr ruhig und still auf einmal, die physikalischen Sinne innerhalb des Kokons wurden völlig abgeschottet - ich schaltete schnellstmöglichst auf VR um, um dieser Stille zu entgehen.
Die Bordsysteme arbeiteten bereits und ich lies einen Routinecheck des Banshee durchlaufen - Energieversorgung, Antrieb, Steuerelektronik, Damage Control, Bordcomputer und Bordnetz, Sensoren, weitere elektronische Systeme etc. bis hin zur Bewaffnung. Der ausführliche Checkup dauerte einige Zeit, da ich keine Unterstützung von weiteren Riggern an Bord hatte, lief aber schließlich doch komplett durch. Nachdem ich nun das erstemal hier war, passte ich die Konfigurationen und das Interface noch genauer auf meine Bedürfnisse an. Einem freundlichen Maschinenhelfer bot ich an, ebenfalls das Bordsystem als Heimstatt zu wählen und er nahm gerne an.
Ich schaute gerade die Logs und die Konfigdaten des Systemchecks durch, als mir doch noch eine kleine Auffälligket ins Auge fiel. Die Systeme für sich alleine genommen hatten den Check problemlos bestanden und arbeiteten 100%ig - doch im Bereich des Hauptcomputers fiel mir eine kleine und sehr subtile Anpassung des Steuercodes auf, die sehr gut verborgen in einigen Subroutinen schlummerte. Hätte ich nicht sehr genau hingesehen, wäre sie mir wahrscheinlich gar nicht aufgefallen - ein sehr schönes Stück Code, und dazu noch sehr sauber platziert.
Eine Analyse des Codes ergab, daß es sich um eine Überbrückungsschaltung der Steuerelektronik handelte, die nach dem Auslösen die internen Steuersignale überlagert hätte, um extern die Kontrolle über den Banshee zu ermöglichen. Das schmeckte mir gar nicht... Ich hatte mich gerade daran gemacht, diesen kleinen "Fehler" zu "korrigieren", als auf einmal ein anderer Hacker im System erschien und anstalten machte, mir auf den Pelz zu rücken. Ich wußte nicht, wieviel Zeit ich zur Verfügung hatte, also kümmerte ich mich weiter um das Bereinigen der Fehler und bat Tron, einen treuen Diener von mir, sich um den Besucher zu kümmern. Der Kampf schien recht heftig zu sein - der gegnerische Hacker war gut und ich vermutete, daß er mehr war als nur ein einfacher Hacker - wahrscheinlich ein Kollege. Trotzdem gelang es Tron, die Oberhand zu behalten und den gegnerischen Hacker zur Flucht zu treiben - aber mit ihm würde ich auch später noch rechnen müssen.
Die Zwischenzeit hatte mir gereicht, um den Code zu beseitigen - ein erneuter Check sagte mir, daß der Vogel nun 100%ig mir gehörten würde und durch ein paar kleine Softwareergänzungen hier und da sorgte ich dafür, daß das auch so bleiben würde. Dies schien jedoch irgendwem nicht sehr zu gefallen - ganz kurze Zeit später meldeten die internen Feuersensoren einen Kabelbrand im Maschinenbereich. Ich fluchte innerlich und löste die internen Löschanlagen aus, die einen kurzen Augenblick lang zickten, nach einer blitzschnellen Feinjustierung jedoch ihren Dienst verrichteten. Das Feuer war gedämmt, aber ein anschließender Check zeigte mir, daß er mich einen Haufen Systeme gekostet hatte - der Banshee war durch das Feuer theoretisch komplett unbrauchbar geworden.
Aber auch nur theoretisch.
So schnell würde ich nicht aufgeben, was den Vogel anging. Es war mittlerweile 1500 - nicht mehr viel Zeit bis zum Beginn des ganzen Zaubers, aber ich hatte nicht viel mehr Optionen. Alle anderen Drohnen waren einsatzbereit und konfiguriert, da würde ich nichts mehr machen müssen. Für den Truck suchte ich ein paar Geländepunkte, die mir als recht sicher erschienen, so daß er nicht unbedingt entdeckt oder angegriffen wurde - eventuell hätte ich später noch ein paar Minuten, um mich noch um ein wenig Tarnung zu kümmern, das hing davon ab, wie schnell ich mit etwaigen Reparaturen vorankam. Ich schälte mich aus dem Riggerkokon, verließ den Banshee durch die Fahrerluke (die ich nach mir per remotecontrol wieder verriegelte und auch darauf achtete, daß sämtliche anderen Zugangsmöglichkeiten verriegelt waren) und holte noch ein paar Kleinigkeiten, die unter anderem mein Werkzeug beinhalteten. Ich schaute mich noch kurz um und entschied mich dann, unter anderem auch den Vogeljäger-Raketenwerfer inklusive der Zusatzraketen, den Artemis-gleiter, der in eine praktische große Tragetasche verpackt war sowie ein paar weitere Ausrüstungsgegenstände (unter anderem mehrere unserer Einsatzsets mit Funk, Kletterausrüstung, Verbandskasten, Gasmaske etc.) einzupacken, dazu noch zwei Tarnnetze, um den Banshee notfalls zumindest rudimentär verstecken zu können.
Dann machte ich mich an die Reparatur, bei dem mich mein freundlicher Maschinendiener tatkräftig unterstützte. Ohne ihn sowie die Konstruktions- und Benutzungsdaten wäre die Reparatur sicher in die Hose gegangen. Insgesamt acht Stunden hing ich ellenbogentief im System und versuchte, die Schäden des Kabelbrandes zu beheben, so gut es eben ging. So wie es aussah, waren kleine Ladungen angebracht worden, die für das Feuer verantwortlich waren. Die Ladungen waren so angebracht, daß wichtige Hauptsysteme beschädigt wurden, die man normalerweise nur schwer ohne eine passende Werkstatt instandsetzen konnte. Dank meines Maschinenhelfers war es mir jedoch möglich, die meisten Beschädigungen durch Workarounds zu beheben, auch wenn es mich viel Zeit und Nerven kostete. Als ich schließlich mit dem Vogel fertig war, hatte ich nur noch eine Stunde Zeit für die restlichen Vorbereitungen - es war 2300 Uhr und draussen war es bereits dunkel. Ich checkte erneut die Drohnen und besorgte mir noch ein paar Sachen, die ich noch brauchen konnte - Zelt, Schlafsack, Isomatte, Vorräte, Kochzeug und solche Sachen. Ich hatte keine Ahnung, was auf uns zukommen würde, aber ich wollte lieber vorbereitet sein. Ebenso packte ich noch ein weiteres Tarnnetz ein und überprüfte dann noch einmal meine Ausstattung, die sich aktuell in der Nutzsektion des Banshees befand. Ich hatte den Großteil meiner persönlichen und wichtigen Sachen bei mir, trug meinen gepanzerten Overall, hatte meine Waffen und Munition bei mir (inklusive einem größeren Vorrat zusätzlicher Munition, die uns unser Auftraggeber zur Verfügung gestellt hatte). Einige meiner Mikrosensoren benutzte ich, um das Innere des Banshee ebenfalls überwachen zu können. Mein Truck war mittlerweile an einer der Geländemarken angelangt - ich aktivierte den Tarnmodus, so daß er dank der Beschichtung mit dem Hintergrund verschmelzen würde und sorgte dann dafür, daß er auch über Sensoren kaum zu entdecken wäre.
Solcherart vorbereitet checkte ich erneut die Teamaustattung und versah die Tags derjenigen, die zum Ziel gehörten, mit einem alternativen Frequenzset. Der Kurswechsel unserer Auftraggeber schmeckte uns gar nicht und so hatten wir uns darauf vorbereitet, im Ernstfall uns zumindest wehren zu können. Es war keineswegs sicher, ob wir hier lebend herauskommen würden, aber es war einen Versuch wert.
Schließlich war es kurz vor 2400 - Zeit, meinen Platz im Banshee einzunehmen. Erneut ging ich zum Banshee, dessen Systeme von mir auf Standby gestellt waren. Der zweite Einstieg in den Riggerkokon ging schon bedeutend schneller und so schloß ich nach wenigen Minuten den Kokon. Ein letzter, kurzer Systemcheck zeigte mir, daß alle Systeme grün waren und ich flog herüber zur Insel, auf der wir uns alle treffen sollten.
(Fortsetzung folgt...)
010 | Man kann nie genug wissen... 001 | Datenschutz ist eine Illusion. 111
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