Dr. Know

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- Geist in der Matrix
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Re: Dr. Knows Tagebuch
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18. April 2071 - Hamburg
Es war ein warmer Samstagabend. Sandra und ich hatten gerade Albrecht und Steve abgelöst, die heute die Tagschicht übernommen hatten. Die beiden verschwanden mit einem Gruß und guter Laune - beide freuten sich auf einen verdienten Feierabend, während wir uns hier die Nacht um die Ohren schlagen würden, um die Observation fortzusetzen. Es war kurz nach sechs und vor uns lag eine lange Zeit, die wir damit verbringen würden, die Wohnung zu beobachten und die Matrixaktivitäten von ZP1 zu überwachen - wer telefoniert mit wem, was macht er online etc...
Ich machte diese Art von Arbeit schon seit einigen Jahren, teils freiberuflich, teils in einer Art Festanstellung. Observation war ein Tätigkeitsfeld, bei dem man viel Geduld und Konzentration brauchte. Je nach der Art der Observation konnte es passieren, daß tagelang nichts geschah und es rein darum ging, abzuwarten, Geschehnisse zu protokollieren und die Zielperson oder auch ein Zielobjekt zu überwachen. Bei den meisten Jobs hatte man zumindest Gesellschaft - oft erfolgten Observationen dieser Art in Zweierteams. So hatte man einen Gesprächspartner, was die Sache leichter machte - ganz davon abgesehen, daß sich so auch metamenschliche Notwendigkeiten besser in den Griff kriegen liesen, als wenn man alleine wäre.
Das Piepen des Haussystems unterbrach meine Gedanken - in der Küche hatte ich etwas zum Essen zubereitet für Sandra und mich und das Haussystem informierte mich darüber, daß die Mahlzeiten fertig waren - ich ging zum Ofen und nahm die Schale hinaus, verteilte ihren Inhalt auf zwei Teller und ging damit wieder rüber zu Sandra, um ihr etwas anzubieten. Gemeinsam setzen wir uns hin und aßen.
Anschließend richteten wir uns auf ein paar vermutlich äußerst langweilige Stunden ein und ich prüfte die Drohnen und Sensoren auf ihre Einsatzbereitschaft und begann dann, ein paar Nachrichtenknoten und Foren abzuklappern. Sandra erzählte währenddessen von ihrem Freund und was er aktuell schon wieder angestellt hatte - die beiden führten eine seltsame Beziehung, die augenscheinlich nur darauf ausgelegt war, dem anderen möglichst gründlich und umfangreich auf den Geist zu gehen. Irgendwas hatte Benedikt auf jeden Fall wieder angestellt, daß sie ganz schön auf die Palme brachte - und zwar nicht zum ersten Mal. Nachdem sie fast jeden Tag irgendeine dieser Geschichten erzählte und wie immer kaum aufhören konnte, über ihn zu schimpfen, lag es mir wieder einmal auf der Zunge Warum verläßt Du den Kerl nicht endlich und suchst Dir jemanden, der besser zu Dir passt? - aber ich hielt mich zurück. Schon seit Jahren hatte ich selber keine richtige Beziehung mehr, was unter anderem natürlich auch mit meiner "Arbeit" zu tun hatte. Die Tätigkeit in den Schatten vertrug sich meist nicht mit einer festen Beziehung. Meine vielen Reisen in den letzten Jahren taten ihr übriges. Der Verstand sagt mir, daß es wohl fürs erste auch besser wäre, sich auf nichts einzulassen - und doch gibt es immer wieder die Momente, in denen ich mir jemanden an meiner Seite wünsche, der da ist und mir hilft, die Schrecken der Schatten abzuschütteln. Naja, zumindest hatte ich als elfischer Metatyp wohl den Vorteil, das ich ja noch einiges an Zeit hatte, um mich zu binden - aber würde ich diese Zeit auch nutzen können? Würde ich überhaupt solange leben, um davon Profit schlagen zu können? Ich versuchte natürlich, meine Jobs möglichst sicher durchzuziehen - aber in den Schatten ist ein gewisses Risiko eben immer vorhanden. Verrat, Pech, unglückliche Zufälle, Überschätzen der eigenen Fähigkeiten - es gab und gibt genügend Gründe, um ins Gras zu beissen, umgelegt zu werden etc. Gerade der Job letztes Jahr in Tir Taingire hatte es wiedermal gezeigt: Es gibt immer Situationen, in denen man gelinkt werden soll. Und irgendwann würden sie einen auf dem falschen Fuss erwischen, den Augenblick abpassen, in dem man nicht genügend aufmerksam war - und zuschlagen.
Ein dezenter Alarm brachte mich wieder ins Hier und Jetzt und lies mich die düsteren Gedanken vergessen. Unsere Zielperson hatte ihr Com aktiviert und ich hatte das System so eingestellt, das es mich benachrichtigte. ZP1 war anscheinend sehr introvertiert und verliess nur selten seine Wohnung, kommunizierte aber umfangreich über die Matrix, wie ich es selbst auch häufig tat. Viele seiner Verbindungen waren standardmäßig verschlüsselt und ich schaltete mich häufig live dazwischen, da die Recording-Einheiten mit dem Entschlüsseln oft langsam waren, vor allem, da ZP1 gute Software nutzte.
Wiedermal ein Auslandsgespräch - ein virtuelles Meeting mit einem Teilnehmer, dessen eigener Anschluss sehr gut verschleiert war und über wasweisichwieviele Knoten umgeleitet wurde. Wir hatten in der Vergangenheit schon versucht, das Signal zu tracken, waren aber bisher erfolglos - die Verbindung wurde zum Teil über Satelliten aufgebaut, die eine Lokalisierung erschwerten. Ich hatte gerade die Verschlüsselung geknackt und überlegte noch, ob ich einen weiteren Versuch laufen lassen sollte, als mir auf einmal etwas auffiel...
010 | Man kann nie genug wissen... 001 | Datenschutz ist eine Illusion. 111
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