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Autor Thema: Sputniks Aufzeichnungen (wie einfallsreich, Sputnik...)  (Gelesen 20639 mal)

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Sputnik

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Re: Sputniks Aufzeichnungen (wie einfallsreich, Sputnik...)
« Antwort #60 am: Dienstag, 13. August 2013; 17:26:33 Nachmittag »

28. Dezember 2072 - Feldweg mit Scheune Nähe Bad Aibling, Bayern

Die Weihnachtstage bei meinen Eltern und Geschwistern waren wie immer schön - wir verstanden uns recht gut, wenn man mal von den kleinen Zankereien zwischen Geschwistern absieht. Das Verhältnis zu meinem Dad hatte sich seit meinem Praktikumsbeginn bei SK Prime noch verbessert und natürlich freute ich mich auch, meine Familie mal wieder real zu sehen.

Trotzdem war ich auch aufgeregt, als ich am 26. Dezember nachmittags wieder heim flog und abends meine Sachen in den KAT packte. Ich hatte beschlossen, heute Nacht schon im KAT zu schlafen, um mich daran zu gewöhnen. Bisher stand er ja fast nur hier in der Werkstatt, daher hatte ich noch gar keine Gelegenheit, mich mit dem neuen Fahrzeug vertraut zu machen. Außerdem wollte ich schon mal in vertrauter Umgebung sehen, wie wohnlich er wirklich ist. Um kurz vor 21:00 Uhr war ich mit dem Einpacken und Verstauen fertig und schloß die Koffertür hinter mir. Ein kurzer Blick auf die Anzeigesysteme zeigte mir, das die Batterien geladen und die Treibstoff- und Frischwassertanks gut gefüllt waren.

In der Werkstatt war es nicht kalt, daher brauchte ich die Heizung beziehungsweise die Klimaanlage eigentlich nicht, ließ sie aber für einen Testlauf anlaufen. Ich wollte wissen, ob sie funktionierte und natürlich auch, wie gut sie tatsächlich heizte. Nach einer Stunde Laufzeit regelte ich die Heizung wieder herunter - das Ergebnis war zufriedenstellend. Dann aß ich noch eine Kleinigkeit und ging dann recht früh ins Bett, denn ich wollte am nächsten Tag zeitig aufbrechen.

Und dann war es endlich soweit. Mein MAN startete zu seiner ersten weiten Reise. Recht früh schon wachte ich auf und frühstückte noch in Ruhe. Der Koffer war wie zu erwarten nicht unbedingt geräumig, aber gemütlich, vor allem nachdem ich morgens noch ein wenig die Heizung laufen lies. Ich probierte meine Sitzgruppe aus, dann verstaute ich alles, um in Richtung Bad Aibling loszufahren.

Eine Stunde später war ich auf der Straße in Richtung Osten unterwegs. Der MAN fuhr sich natürlich ganz anders als Susi - hier waren deutlich mehr PS unter der Haube und natürlich war der MAN auch viel größer als mein VW-Bus. Dementsprechend anders war das Fahrgefühl - ruhiger, gesetzter. Aufgrund der niedrigeren Geschwindigkeit benötigte ich etwas länger, bis ich Bad Aibling erreichte. Ich hatte mich für die Autobahnroute entschieden, dort lief der MAN ruhig und beharrlich. Gegen Mittag erreichte ich die Gegend um Bad Aibling und verließ die Autobahn. In den letzten Tagen hatte es immer wieder geschneit und es war mittlerweile auch deutlich unter 0 ° Celsius, so das mich eine weiße Winterlandschaft erwartete. Die Idee, meinen KAT aktuell in Grautönen zu halten, schien ganz gut gewesen zu sein. Ergänzend hatte ich mir auf Anraten von Maschinengeist, der mir bei der Installation der Funk- und Sensorsysteme half, noch verschiedene Tarnnetze und Planen organisiert, um das Fahrzeug notfalls tarnen zu können.

Die Gegend hier war sehr waldig und vor allem nördlich von Bad Aibling gab es viel Wald und nur wenig Ortschaften. Schon im Sommer war mir aufgefallen, das dies natürlich für die Fuchsjagden optimal war. Als ich dann um kurz nach Mittag die Station erreichte, sah ich auf dem Gelände schon den VW Iltis und Wohnwagen von nmap, den umgebauten Unimog von Lucky und natürlich auch den neuen leicht umgebauten ATF Dingo von Multi. Maschinengeist war anscheinend auch kurz vor mir angekommen und fuhr gerade seinen Antennenmast aus. Ich hielt kurz an, um mich mit Multi über Parkplätze und zu erwartende Fahrzeuge auszutauschen. Der MAN brauchte etwas mehr Platz als meine Susi, das war mal klar. Nach kurzem Austausch stellte ich mich neben den Fuchs, da war ich etwas windgeschützt und außerdem war mir der Nachbar schon gut bekannt. Bisher waren nur Mitglieder des inneren Kreises hier, gegen Abend würden vermutlich auch noch weitere Teilnehmer eintreffen.

Ich hatte meinen Motor gerade abgestellt und war kurz davor auszusteigen, als ich den Van von Echo5 auf das Gelände fahren sah. Nadine war Studentin wie ich und schon im Sommer mit ihrem Van hier gewesen, in dem sie hinten eine alte Matratze und ein wenig Campingequipment hatte. Ob ihr das jetzt im Winter reichen würde? Es war schon ziemlich kalt hier, mein Thermometer zeigte aktuell -7° Celsius an in der Mittagssonne. Ich winkte ihr zu und sie fuhr neben mich auf die andere Seite vom MAN. "Hey Sputnik, schön dich zu sehen" rief sie mir zu, als sie anhielt. Ich hatte mir gerade meine dicke Winterjacke geschnappt und ging ihr entgegen, um sie zu begrüßen. "Hallo Echo, schön, dich zu sehen!" erwiderte ich und begrüßte sie mit einer Umarmung, nachdem sie ausgestiegen war. Wir gingen zusammen hinüber zu den anderen und sie erzählte mir dabei ein wenig von ihrer Fahrt. Auch über unser Studium plauderten wir ein wenig, bis wir dann zu der Runde am Grill stießen, die uns freudig begrüßte. Umarmungen und freudige Begrüßungen wechselten einander. Kurze Zeit später stießen auch noch RL5 mit ihrem Wohnmobil-Pickup und Siemens mit seinem großem Wohnmobil zu uns. Von Tux erfahren wir, das er leider nicht kommen kann - sein Arbeitgeber hat ihn nach Russland geschickt für ein paar Tage, was ihm gar nicht gelegen kam. In dem Fall sind wir (leider) vollständig und beginnen mit dem "Inner Circle Barbeque"

Bei heißem Glühwein, Met und leckeren Sachen vom Grill ist es wärmer als gedacht, zusätzliche Heizstrahler sorgen außerdem für Wärme, so das es trotz "Open Air"-Grillen bei -7° Celsius nicht kalt wird. Wir sind hinter einem der Gebäude, so das man unsere Gruppe und auch die meisten der bisherigen Fahrzeuge nicht sehen kann. Hier steht der große Pavillion, unter dem wir zusammensitzen und Neuigkeiten austauschen. Multi berichtet von seinem neuen Dingo und natürlich muss auch ich einige Fragen zu meinem MAN beantworten. Gerade RL5 und Siemens hören interessiert zu, da sie auch Pläne für ein neues Fahrzeug haben und sich somit Anregungen und Tipps abholen. Bei einem Seitenblick auf Echo sehe ich, das sie bei den ganzen Erzählungen etwas unglücklich wirkt - sie ist aktuell die einzige, die sich mit einem normalen Fahrzeug, das noch nicht mal über eine rudimentäre Campingausstattung verfügt, behelfen muss. Als Studentin lebt sie nicht gerade auf großem Fuß und hatte mir im Sommer, als wir zusammen mit Susi auf Peilfahrt waren, ein paar Geschichten von vergangenen Fuchsjagden und Treffen erzählt, die mit den damit verbundenen Widrigkeiten zu tun hatten. Ich konnte ihre Stimmung nachempfinden. Im Sommer lies sich das für die paar Tage aushalten, jetzt im Winter war es weniger angenehm.

Das Barbecue zog sich vom Nachmittag in den Abend und als die ersten weiteren Teilnehmer, die nicht zum inneren Kreis gehörten, ankamen, hatte der Glühwein schon ganz gut angeschlagen. Natürlich gab es im inneren Kreis schon die ersten Wetten, wer wie bei den kommenden Fuchsjagden abschneiden würde. Georg und Marianne Bergtal (Black & White) waren die ersten, die zu unserer Runde dazustießen und wurden fröhlich empfangen. Die beiden hatten ein großes Wohnmobil und nahmen an den Fuchsjagden mit ihren Motorrädern als Team teil. Sie hatten keinen Zugang zur Resonanz, waren aber schon seit Jahrzehnten als Funker und Peiler unterwegs. Im zivilen Leben arbeitete Georg als Vermessungsingenieur, während Marianne Gymnasiallehrerin für Mathematik und Physik war. Beide waren schon älter und hatten oft eine Menge zu erzählen, denn nachdem ihre Kinder mittlerweile außer Haus waren, verbrachten sie viel Zeit auf Reisen.
Später am Abend kamen weitere Mitglieder dazu, so das wir schlußendlich mit etwas über 30 Mann ums Feuer saßen. An den morgigen Fahrten würden sicherlich zwischen 16 und 20 Fahrzeuge teilnehmen.

In der Runde waren alle gut gelaunt, die Heizpilze, der Grill und nicht zuletzt auch der Glühwein, der heiße Met und die anderen heißen Getränke sorgten für gute Stimmung, so das wir trotz der zunehmenden Kühle noch bis weit nach Mitternacht zusammensaßen, redeten und feierten. Erst gegen 03:00 Uhr begann die Runde so langsam, sich aufzulösen. Wir räumten den Pavillion noch auf - und da merkten wir erst, wie kalt es wirklich schon war. Das Thermometer zeigte mittlerweile knapp -15° Celsius an - Zeit, die Heizung im MAN anzuwerfen. Ohne die Wärme der Heizstrahler dauerte es nicht lang, bis die Kälte spürbar unangenehm wurde. Schnell verstauen wir die übriggebliebenen Getränke und Lebensmittel, kümmern uns noch um den Grill und die Heizstrahler, damit diese morgen auch ihren Dienst verrichten. Nach knapp 30 Minuten ist alles aufgeräumt und ich spüre die Kälte mittlerweile recht deutlich. Morgen werde ich die dickere Jacke, die ich vorsichtshalber eingepackt habe, bereitlegen. Nachdem ich Multi, Lucky und Maschinengeist eine gute Nacht gewünscht habe, verkrümmele ich mich als einer der letzten, die noch wach sind, in den MAN. Wohlweislich habe ich vorne bei der Tür eine Vorhangschiene eingelassen, so das ich gerade für solche Temperaturbedingungen mithilfe eines dicken Vorhanges einen kleinen Vorraum vor der Tür schaffen kann. Dieser fängt einen Teil der Kälte ab und bietet als weiteren Vorteil auch eine Lichtsperre, die ich extra für Nachtfuchsjagden und nächtliche andere Ausflüge etc. eingebaut habe. Im Sommer oder bei normalen Reisen kann man den Vorhang auch ganz normal abnehmen und hat damit innen etwas mehr Platz vor der Tür, den man z. B. für die klappbare (Küchen-)Arbeitsfläche nutzen kann. Ich schließe die Tür hinter mir zu und stelle fest, das die Heizung im Koffer gut funktioniert - die halbe Stunde Vorlaufzeit hat gereicht, das Innere auf eine angenehme Temperatur zu bringen. Im Koffer verteilt sind drei Heizkörper, dazu eine Fußboden- und eine Matratzenheizung. Ergänzend läßt sich natürlich auch die Fahrerkabine heizen. Die Klimaanlage sorgte für ein gutes Raumklima, würde aber erst im Sommer ihren vollen Nutzen entfalten. Ich zog den Vorhang so vor die Tür, das er eine zusätzliche Isolierung bildete, ansonsten aber der Raum vor der Tür frei wurde und machte mich dann daran, mich bettfertig zu machen. Recht müde kroch ich dann ins Bett und war kurz danach trotz der eisigen Temperaturen draußen eingeschlafen.

Am nächsten Morgen regte sich erst spät Leben im "Camp", da es gestern doch recht spät wurde. Einzig Echo und ein paar wenige andere saßen im Pavillion bei den Heizstrahlern, um sich nach der Nacht aufzuwärmen. Ich gesellte mich zu ihnen, nachdem ich mir einen Tee gemacht hatte. Normalerweise aßen wir hier alle zusammen und auch jetzt schon standen einige Frühstücksutensilien auf den Tischen verteilt. Echo hatte für ihre Verhältnisse recht gut geschlafen, allerdings war es doch gerade morgens kalt und klamm gewesen in ihrem Van. Es gab schon heißen Kaffee, aber sie war ebenso wie ich Teetrinker, hatte allerdings ihren Tee vergessen. Ich bot ihr von meinem Tee an und sie nahm dankend an. Weitere Gäste trudelten im Laufe des Vormittags noch ein und wurden fröhlich begrüßt.

Im Laufe der nächsten Stunde wurden die anderen auch langsam wach und schließlich war die ganze Truppe so gegen 11:00 Uhr zum späten Frühstück versammelt. Unser Programm sah vor, das es heute Nachmittag ab 14:00 Uhr mit der ersten Fuchsjagd losging. Hierfür wurden die Teams ausgelost und ich freute mich darauf, meine erste Runde mit nmap zu fahren. Die Teams waren nicht fest und im Laufe der nächsten Tage würde es die unterschiedlichsten Konstellationen geben, aber mit nmap konnte man sich sehr gut unterhalten und wir waren seit einigen Monaten quasi auch Kollegen. Ich freute mich auf die Tour. Multi als örtlicher "Hausmeister" der Station hatte die Ehre des ersten Signalgebers und fuhr gemeinsam mit Lucky los. Wie immer wurde vorher allgemein die Kanalbelegung sowohl für die Gäste als auch für umliegende Funker bekanntgegeben: Kanal 20 war wie immer der "Orgakanal", auf dem Ansagen der Orga etc. durchgegeben wurden. Kanal 21 war der Notfallkanal - wenn irgendetwas unverhofftes passierte, jemand einen Unfall hatte oder ähnliches, dann wurde dieser Kanal dafür zur Kommunikation genutzt und von allen Beteiligten ansonsten freigehalten. Signalkanal war der Kanal 23, auf dem das Peilsignal gesendet wurde. Die meisten hatten die Möglichkeit, mehr als einen Kanal zu empfangen.

Pünktlich um 14:00 Uhr starteten Multi und Lucky mit seinem Dingo, um sich im verschneiten Umland um Bad Aibling eine möglichst gute Position zu suchen. Dafür hatten sie eine halbe Stunde Zeit, dann begann die Jagd nach dem Fuchs. Pünktlich um 14:30 Uhr ertönte das Peilsignal - in Multis Form war dies meist das Requiem von Verdi, das er zu diesem Zweck abspielte. Das schöne am Fuchsjagd Funkclub war die freundliche und faire Atmosphäre - und auch jetzt wünschten wir uns gegenseitig viel Erfolg und gute Jagd, bevor wir dann aufbrachen.

Maschinengeist, Echo, nmap und ich witzelten noch ein wenig herum, bis wir dann jeweils in unsere Fahrzeuge stiegen und mit der Suche begannen. Während Maschinengeist wie immer mit seinem Fuchs fuhr, wählten nmap und ich seinen Iltis als Peilwagen. Dann ging es los und bei der Peilung des Signals merkte ich, wie viel ich in den letzten Monaten überhaupt dazugelernt hatte. Wir hatten das Signal recht schnell aufgenommen und als wir nach einer knappen halben Stunde wußten, in welche Richtung wir fahren mußten, merkten wir auch, das der Iltis die richtige Wahl war, als wir auf dem Weg zum Ziel Maschinengeist mit seinem Fuchs überholten, der natürlich ebenfalls schon das Signal gepeilt, mit seinem schwereren Fahrzeug aber einen Geschwindigkeitsnachteil hatte. So kamen wir dank der Fahrkünste von nmap ganz knapp vor dem Fuchs beim Dingo an, der nur wenig weiter entfernt von der Straße, auf der wir Maschinengeist überholten, am Ende eines Feldweges stand.

Schnell fuhren wir unsere Fahrzeuge etwas in Deckung, so das man sie nicht gleich sah. Die winterliche Umgebung machte die Tarnung nicht einfacher - die Bäume und das Unterholz boten deutlich weniger Sichtschutz als im Sommer. Diese Runde war aber auch eher als Aufwärmrunde gedacht, denn der eigentlich interessante Teil waren gerade im Winter die Nachtfahrten, die aufgrund der deutlich früheren Dämmerung häufiger möglich waren als im Sommer.

Der Dingo von Multi war noch neu - er hatte ihn im Herbst erstanden und ausgebaut. Der hintere Aufbau war zwar kleiner als meiner, aber sehr gut genutzt. Wir fanden tatsächlich zu sechst darin Platz, da Multi die Fahrerkabine so integriert hatte, das er die vorderen Sitze nach hinten drehen konnte. Ab dem nächsten eintreffenden Fahrzeug würde es hier drin aber eng werden - das war natürlich bei den sommerlichen Fuchsjagden einfacher, da konnte man sich einfach draußen zusammen hinsetzen. Aber das Problem würde sich sicher lösen lassen - jetzt warteten wir erstmal, wer denn als nächstes überhaupt kommen würde.
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Re: Sputniks Aufzeichnungen (wie einfallsreich, Sputnik...)
« Antwort #61 am: Dienstag, 13. August 2013; 22:52:03 Nachmittag »



Wir warteten ca. noch 15 Minuten, bis die nächsten Peiler kamen - es waren Georg und Mariane mit ihren Motorrädern, die in dicke Motorradkombis eingepackt dem Winter trotzten. Jetzt wurde es in dem Dingo allerdings tatsächlich eng, auch wenn wir die beiden irgendwie noch unterbringen konnten drinnen. Allzulange sollte die Fuchsjagd sowieso nicht mehr allzulange dauern - die erste war relativ kurz angesetzt und sollte maximal bis 16:00 Uhr gehen, das waren jetzt noch ca. 45 Minuten. Nach und nach trudelten auch die nächsten Funkfüchse ein, allen voran RL5 und Siemens.

Um kurz vor 16:00 Uhr waren wir dann alle hier versammelt und machten uns dann auf den Rückweg. Abendessen war geplant um 18:00 Uhr, bevor dann die erste Nachtfahrt anstand. Aufgrund der Dunkelheit hatte der Fuchs eine Stunde Zeit, um einen geeigneten Platz zu suchen, bevor um 20:00 Uhr die Peiler losfuhren. Zum Abendessen wurde erneut der Grill angeworfen, daneben gab es ein nettes Buffett. Die Heizpilze erwiesen sich erneut als unheimlich nützlich und so war es trotz der kalten Außentemperaturen doch sehr lustig. Ich spendierte Echo noch einen Tee, dann fragte sie mich, ob sie mal mein Bad nutzen dürfte, was ich ihr natürlich gerne zusagte. Eine heiße Dusche und eine halbe Stunde später wirkte sie schon deutlich fröhlicher und war außerdem von meinem neuen Spielzeug auch sehr angetan.

Dann war es Zeit, den Fuchs zu platzieren. Da ich als Peiler den ersten Fuchs zuerst gefunden hatte (wofür mich Maschinengeist vor versammelter Mannschaft lobte), war es nun an mir, den Fuchs zu geben. Nach dem Auslosen der Teams gingen Lucky und ich zu meinem MAN, den ich jetzt auf seine Tauglichkeit testen würde. Lucky als Beifahrerin würde für interessante Gespräche sorgen - ich freute mich auf die Wartezeit und die Gelegenheit, mich mit ihr austauschen zu können. Noch während des Auslosens hatte ich über die Fernbedienung die Heizung aktiviert, so das es im Führerhaus, aber auch in der Kabine schon schön warm war. Dann startete ich den V8 und wir machten uns auf den Weg, um einen guten Standplatz zu finden.

Wir fuhren ein gutes Stück und machten uns dann daran, über kleinere Feldwege in den Wald vorzudringen. Der MAN zeigte sich als sehr geländetauglich - er pflügte problemlos durch Schnee und Matsch, bis wir dann nach ca. 40 Minuten eine schöne Stelle gefunden hatten, von wo aus wir senden würden. Ich parkte den MAN, startete Maschinengeists Beispiel folgend Drohnen zur Nahbereichskontrolle und wechselten dann in den Koffer, um von dort das Peilsignal zu senden.

Um Punkt 20:00 Uhr starteten wir mit der Übertragung - jetzt waren wir gespannt, wer hier als erstes auftauchen würde. Dann warteten wir und unterhielten uns dabei sehr gut. Lucky erzählte einiges von ihrer Arbeit und da ich in den letzten Wochen gewisse neue Aufgaben und Tätigkeiten durchführte, tauschten wir uns auch dazu aus. Sie gab mir einige praktische Tipps und Anregungen, die für mich sehr wertvoll waren, wir unterhielten uns aber auch über die Gefahren der Dissonanz, auf die ich in diesem Jahr das erste Mal gestoßen war. Nebenbei tranken wir Tee und ich setzte gerade eine neue Kanne auf, als - es war jetzt 22:15 Uhr - die Sensoren zeigten, das eines der suchenden Fahrzeuge anscheinend die Spur aufgenommen hatte. Dank der Anleitung von Maschinengeist hatte ich dem MAN eine erstklassige Sensoren-, Peil- und Signalanlage verpasst, mit deren Hilfe ich die Fahrzeuge der Suchenden jederzeit im Auge behalten konnte.

Maschinengeist, der mit RL5 zusammen unterwegs war, lieferte sich erneut ein Wettrennen um den ersten Platz mit Multi, der mit seinem Dingo deutlich besser unterwegs war als noch im Sommer mit seinem alten Pickup. Er hatte auch an seiner technischen Ausstattung gearbeitet und wir alle hatten im letzten Jahr im Zusammenhang mit den Dissonanten einiges dazugelernt, das sich jetzt bemerkbar machte. Interessiert beobachteten Lucky und ich über die Datenauswertung, wie sich die beiden ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten. Als Dritter war erwartungsgemäß nmap zusammen mit RL5 unterwegs. Alle drei trafen im Abstand von jeweils zehn Minuten ein und im Koffer des MAN wurde es voll. Ich hatte noch ein paar Klappstühle dabei, die ich aufstellte, womit ich bis zu zehn Personen hier sitzend unterbringen konnte, auch wenn man sich dann nicht mehr so sehr im Koffer bewegen konnte. Für mein erstes Mal als Fuchs hatte ich mich gut gehalten - knapp 2,5 Stunden waren vergangen, bis das erste Peilfahrzeug bei uns ankam - in diesem Fall war es Maschinengeist, der die Peilung für sich entscheiden konnte. Wie immer wurde fleißig gefachsimpelt und Tipps und Tricks ausgetauscht, gespickt mit kleinen Sticheleien hier und da.

Um kurz vor Mitternacht waren alle Peiler versammelt und wir fuhren in Kolonne zurück zur Station, wo es dann langsam an die Nachtruhe ging. Draussen sitzen war aufgrund der Temperaturen heute Nacht keine Option mehr und so ging man entweder ins Bett oder setzte sich in kleinen Grüppchen in den einzelnen Fahrzeugen zusammen. In meinem Fall trafen sich Maschinengeist, Lucky, nmap, Echo und ich uns in meinem MAN, der sogar Maschinengeists Anerkennung fand, worauf ich besonders stolz war, da er normaleweise nur selten seinen Fuchs verließ und wir uns im Sommer zumindest immer bei ihm zusammensetzten.

Wir saßen noch lange zusammen in der Nacht und das Gespräch kam auch wieder auf die Dissonanten. Als wir uns dann doch langsam in unsere Betten verzogen, war es kurz nach vier Uhr morgens. Nmap, Maschinengeist und Lucky hatten sich schon verabschiedet, Echo nutzte die Gelegenheit noch, um mein Bad noch einmal zu benutzen. Währenddessen räumte ich im Koffer etwas auf, als ich Echo dann hörte: ¨Duuu, Sputnik? Meinst du, du hättest noch ein kleines Plätzchen für mich? Es ist doch ganz schön kalt draussen...¨ fragte sie mich. Ein Blick auf das Thermometer zeigte mir, was ich eh schon wußte: Draussen waren es mittlerweile -15° Celsius - und zudem hatte ich gegen ihre Gesellschaft auch nichts einzuwenden. ¨Mein Koffer ist zwar kein Sternehotel, aber ich denke, für dich findet sich ein Plätzchen¨ antwortete ich ihr. Sie lächelte mich an: ¨Super. Läßt du deinen Gast noch kurz ein, zwei Dinge aus ihrem klammen, kalten Fahrzeug holen?¨ fragte sie. Dann lief sie schnell zu ihrem Van, um noch ein paar Dinge zu holen und war schnell wieder da. Als sie wieder im Koffer war, schloß ich hinter ihr ab und zog den Vorhang wieder vor. ¨Du kannst wählen, entweder hinten zu übernachten oder hier vorne. Das Bett hinten ist gemacht, hier vorne noch nicht.¨ eröffnete ich ihr. So recht wußte ich nämlich nicht, wie ich mit der Situation umgehen sollte. Echo schaute sich im Koffer noch mal um, bevor sie nach hinten deutete: ¨Wenn es dir nichts ausmacht...¨ sagte sie und schaute mich dann ein. ¨ Oder macht es dir etwas aus, dein bequemes Lager mit mir zu teilen?¨ fragte sie dann, wobei sie mich mit einem schelmischen Blick anschaute. Ich war kurz perplex, den damit  hätte ich jetzt nicht gerechnet, hatte aber auch nichts dagegen. Schon im Sommer hatten wir uns gut verstanden und ich mochte sie - Echo war klug, eine gute und interessante Gesprächspartnerin - und dabei auch attraktiv. Wir machten uns dann fertig für die Nacht, dann kuschelten wir uns zusammen in meine Schlafkabine im Heck. Diese Nacht würde Echo sicher nicht frieren.
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Sputnik

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Re: Sputniks Aufzeichnungen (wie einfallsreich, Sputnik...)
« Antwort #62 am: Mittwoch, 14. August 2013; 16:33:53 Nachmittag »

30. Dezember 2072 - Sputniks Werkstatt, Freiburg

Am nächsten Morgen sollte zwischen 10:00 und 12:00 Uhr eine kleine Fuchsjagd stattfinden, die Echo und ich allerdings verpassten, weil wir da noch in den Federn lagen. Als wir um kurz vor 11:00 Uhr aufwachten, lohnte es sich nicht mehr. Wir nutzten die Zeit, um gemütlich zu frühstücken, wozu wir es uns in der Sitzecke bequem machten. Heute nachmittag um 14:00 Uhr war die nächste Fuchsjagd angesetzt, die mit einem Suchspiel verbunden war. Normalerweise wurde das Signal ja auf einem am Anfang bekanntgegebenem Kanal gesendet, heute nachmittag würde man das Signal erst ausfindig machen müssen, bevor man mit dem Peilen beginnen konnte.

Zur Mittagszeit verließen wir den warmen Koffer, um uns zu den anderen zu gesellen, die entweder wieder da oder mittlerweile auch wach genug waren. Und dann war es auch schon bald Zeit für die Nachmittagsrunde, nachdem wir uns vorher gemütlich um den Grill und die Heizstrahler versammelt hatten. Bei der Auslosung fuhr ich diesmal mit Echo zusammen, was uns beiden ganz recht war. Das spannende an dieser Runde war die Suche nach der richtigen Frequenz am Anfang, den ohne die war das Starten nur möglich, wenn man sich an jemand anderen dranhängen wollte. No way.

Schnell stellten wir fest, das wir uns bei der Suche ganz gut ergänzten und so waren wir nach Maschinengeist das zweite Team, das sich auf den Weg machte. Den Fuchs fanden wir um 16:10 Uhr, was bedeutete, das wir knapp 70 Minuten für Frequenzsuche und Peilung gebraucht hatten. Aufgrund der Frequenzsuche war die Entfernung von vornherein eingegrenzt worden, da es auch schon bald dunkel wurde und nach einem schnellen Abendessen schon die nächste Runde losgehen sollte. Vor uns hatte Maschinengeist zusammen mit Lucky schon den Fuchs gefunden, den Multi mit seinem Dingo gab. Da wir Black & White schon hinter uns bemerkt hatten, überließen Echo und ich den beiden die Plätze im Dingo, da sie immer noch nur mit Motorrädern unterwegs waren. Stattdessen blieben wir im MAN, den wir gemeinsam noch etwas tarnten, bevor wir uns in den Koffer verzogen.

Zugegebenerweise hatten wir dann die Zeit etwas aus den Augen verloren und als Echo das nächste Mal nach draußen schaute, fiel ihr auf, das wir die einzigen waren, die noch hier standen. Ich fand eine kurze Nachricht von Maschinengeist, der uns mitteilte, das man uns nicht stören wollte und wir uns Zeit lassen sollten - Füchse könnten wir auch später noch jagen. Als Nachsatz stand noch "Auch unsereins braucht Nachwuchs  ;D " darunter - jaja... Echo und ich mussten kurz grinsen, als wir die leere Stelle betrachteten - ein Blick auf die Uhr zeigte uns, das es schon kurz vor 20:00 Uhr war. "Ups" sagte Echo mit einem kecken Grinsen, während sie vom Bett aus versuchte, ihr T-Shirt vom Boden zu fischen. Mit sanfter Gewalt zog ich sie zurück "Jetzt ist es eigentlich auch egal, ob wir etwas später kommen, oder?" fragte ich sie dann und zog sie zu mir.

In die Nachtfuchsjagd stürzten wir uns dann um kurz nach 21:00 Uhr direkt von hier aus. Wir hatten uns etwas zu essen mit nach vorne in die Kabine genommen und nach einer kurzen Rückfrage bei Multi wußten wir, das wir ohne Probleme noch mitmachen konnten. Maschinengeist hatte ihn schon informiert, das wir "vermutlich etwas später kommen würden". In dieser Nacht fuhren wir noch insgesamt drei Fuchsjagden, die alle sehr entspannt und toll liefen und wir uns dabei gut behaupten konnten. Wie schon gestern festgestellt waren die Grüppchen, in denen man sich am Zielort zusammenfand, etwas kleiner, da sie sich auf verschiedene Fahrzeuge verteilten, aber das war Echo und mir aktuell auch ganz recht, denn so hatten wir etwas mehr Zeit für uns. Und zumindest der Schutz vor der Kälte war für Echo in dieser Nacht auch kein Problem mehr.

Am nächsten Morgen gab es noch ein gemeinsames Frühstück, bevor wir alle wieder in alle Himmelsrichtungen davonfuhren. Auch Echo und ich hatten unterschiedliche Reiseziele, was die Stimmung etwas drückte. Umso mehr Zeit ließen wir uns für den Abschied, so das es schon nachmittags war, als Echo schließlich zu ihrem Van rüberging und wir uns beide auf den Weg nach Hause machten - sie in Richtung Hamburg, ich in Richtung Freiburg.

Dort wurde ich abends schon von einem gewissen "Karl" erwartet, der mich am Vormittag während des Frühstücks kontaktiert hatte und ein Jobangebot unterbreitete. Ich war gespannt, was mich erwarten würde.
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Re: Sputniks Aufzeichnungen (wie einfallsreich, Sputnik...)
« Antwort #63 am: Montag, 19. August 2013; 17:13:50 Nachmittag »

01. Januar 2073 - 01:33 Uhr morgens, außerhalb Freiburgs

Wie mit dem Auftraggeber vorher vereinbart trafen "Karl" und ich uns am 30. Dezember abends um 19:00 Uhr in einem Café in der Freiburger Innenstadt. Nachdem ich um 17:30 Uhr wieder bei meiner Heimatbasis in Freiburg ankam und es in Freiburg auch nicht viel wärmer war als in Bad Aibling fuhr ich mit dem Auto in Richtung Innenstadt und kam pünktlich an. Ich hatte vor dem Termin nur wenig Ansätze, um vorab schon zu recherchieren und wußte nur, das der Auftraggeber ein Ork war und ein öffentliches Terminal genutzt hatte, um mich anzurufen.

Ich tarne mich ein wenig, um eine direkte Identifikation zu erschweren und stelle bei dem Gespräch fest, das ich meine Sicherheitsmaßnahmen verbessern muss in Bezug auf die Informationen, die es über mich in der Matrix gibt. Mein Gegenüber gibt sich als "Karl" zu erkennen und erzählt etwas über seinen Hintergrund: Er gehört zu einer Organisation, die sich "Hand der Freiheit" nennt und die eine Pro-Metamenschenorganisation im Trollkönigreich darstellt. Gründer der Organisation ist ein Troll namens Thomas Böring, der bereits bei den Gründungskriegen des Trollkönigreiches mitgekämpft hat und an der Gründung des Trollkönigreiches beteiligt / dort involviert war. Die Gründer setzen sich für den Erhalt der Metamenschenrechte im Trollkönigreich ein. Es gab in der Vergangenheit auch schon häufiger Aktionen der Gruppe, bei denen es sich um die Unterdrückung von Metamenschen und um die Rechte von Metamenschen bzw. deren mangelnde Möglichkeit zur Umsetzung ging. Beispiele dafür war eine Aktion gegen einen Metamenschenhändlerring, der aus dem Trollkönigreich operierte.

Bei den Aktionen hört man häufig von einem Herrn Ferdinand von Karstett (elfischer Metatyp, freier Journalist). Dieser steht bei vielen Operationen im Vordergrund, woher die Resourcen für seinen stetigen Einsatz kommen, konnte bisher noch nicht geklärt werden.

"Karl" beauftragt mich mit Untersuchungen für die Gruppe. Es geht um eine aktuelle Mordserie in Freiburg und direkter Umgebung, die seit einigen Wochen die Schlagzeilen für sich beansprucht. Die Medien gehen aktuell wahlweise von einem Ritualmörder oder von einem Psychopathen aus (beziehungsweise beides in Personalunion, je nach Medium). Gerüchteweise soll Blutmagie im Spiel sein, die Morde waren alle sehr auffällig und grausam inszeniert. Offiziell gibt es aktuell sieben Opfer, laut den Informationen des Policlubs sind es bereits 21, alle Opfer sind Metamenschen. Bei den Opfern fehlen regelmäßig Teile des Körpers - Genitalien, Organe, Haare, bei einem Opfer auch die gesamte Haut.

Beim Auftrag geht es darum, mehr über die Hintergründe der Morde herauszufinden. Den Auftraggebern geht es um Hinweise, wer hinter den Morden steckt, welche Motivation hinter den Morden steckt und wie die Opfer ausgewählt wurden. Dafür hat der Auftraggeber ein ordentliches Budget bereitgestellt, ist aber sehr zurückhaltend, was die Spesen angeht. Nach einigem hin und her werden wir doch handelseinig und der vereinbarte Vorschuss wandert auf unsere Konten, während die Restsumme auf Treuhandkonten eingefroren wird.

Nach der Zusage, die für ein gesamtes Team mit bis zu fünf Personen gilt (zumindest erhalten wir dafür die Mittel inklusive der Vorschüsse inklusive einer "virtuellen 6. Person" für die Spesen) erhalte ich ein Datenpaket mit weiteren Informationen zu den Morden und speziell auch zu drei Opfern, die aktuell in der Hand des Policlubs sind.

Kurze Opferstruktur:
Ein Opfer aus der Oberschicht, drei aus der Mittelschicht, der Rest Unterschicht. Alle Metatypen sind vertreten, aber keine Norms. 70% der Opfer sind männlich, 30% weiblich. Fünf der Opfer sind Trolle, bei ihnen fehlte jeweils das Herz und die Genitalien, drei Opfer sind Elfen, bei diesen fehlte 2x das Gehirn und bei allen dreien die Haut. Bei vier Zwergen fehlte jeweils das Haupt- und Barthaar, während bei den Orkopfern jeweils nur das Herz fehlte. Ergänzend fehlten auch andere Organe wie z. B. Knochen, weitere innere Organe wie z. B. der Magen, der bei den Zwergen entnommen wurde.

Bis zum nächsten Tag - Silvester - melden ich den Teamumfang, das offiziell aus sechs Personen, tatsächlich aber aktuell nur aus zwei Personen gestellt wird. Nach Rücksprache mit Hagen haben wir für Reserve gesorgt und wenn wir diese nicht brauchen: Umso besser, dann bleibt mehr für uns.

Abends fahren Hagen und ich mit dem MAN zu einer Silvesterparty, die etwas außerhalb von Freiburg auf einem alten Hof stattfindet. Es findet sich ein netter Parkplatz für den MAN, dann gehen wir auf die Party, um das Jahr entspannt und fröhlich ausklingen zu lassen.

Die Party ist wirklich nett - es sind viele Leute anwesend aus allen möglichen gesellschaftlichen Schichten und die Bude ist ziemlich voll. Viele scheinen das Angebot anzunehmen und übernachten hier, neben den diversen Gästezimmern sieht man auf dem Parkplatz das eine oder andere Wohnmobil. Dementsprechend gut ist die Stimmung hier - es wird ordentlich gefeiert, getanzt und getrunken und man kommt schnell in Austausch mit anderen Leuten. Trotzdem halte ich ein wenig die Augen und Ohren offen und achte ein wenig darauf, was für Spuren ich hinterlasse - über die letzten Monate hat sich bei mir eine gesunde Vorsicht entwickelt. Bei einem Gespräch mit zwei netten Mädels legt sich dies ein wenig und da wir uns alle drei sehr gut verstehen wandern wir am späteren Abend mal gemeinsam zu meinem MAN, da die Mädels einiges Interesse daran geäußert haben, sich so ein Gefährt mal von innen anzusehen.

Um kurz vor Mitternacht trifft sich alles dick eingepackt draußen, um das Feuerwerk zu bewundern, das uns hier geboten wird. Alle stoßen miteinander an, die Stimmung ist sehr gut!

Das ändert sich allerdings schlagartig so gegen 00:30 Uhr, als eine Trollin draußen ihren Mann tot im Gebüsch findet - obendrein stellt sie fest, das ihm wichtige Körperteile, die für Blutzirkulation und Fortpflanzung bestimmt sind, fehlen. Der Mörder scheint wieder zugeschlagen zu haben.

Bei dem neuen Opfer handelt es sich um Kommissar Manfred Schmidt, der bei der Freiburger Polizei tätig war. Die Dame, die ihn gefunden hat, ist seine Frau Hannelore Schmidt. Das Opfer wirkt, als ob er mit einer Bestie gekämpft hätte - Prankenspuren ziehen sich über seine Haut und in der Brust und im Genitalbereich klaffen große Löcher. Die Sensorsuite des MAN liefert mir kaum Spuren, doch für einen kurzen Augenblick sehe ich eine Art "Sensorschatten" - ein Lebewesen, das mit abartiger Geschwindigkeit in einiger Höhe durch die Bäume davon eilt. Die Wildlifespottersoftware spuckt kurze Zeit später aus, das es sich bei den Prankenhieben um einen Fenriswolf, einen jungen Bären oder etwas vergleichbares handeln könnte. Ich verschließe die Tür vom Koffer sorgfältig, während Hagen draußen dem Sensorschatten hinterher turnt.

Durch die Microskimmerdrohne kann ich kurz vor dem Eintreffen der Polizei noch einen Gegenstand beim Toten sicherstellen: Ein Elfenbeinamulett mit einem Kanji, das für "Roter Drache" steht, daneben eine japanische Inschrift "Die Krallen des roten Drachen". Das Amulett scheint sehr wertvoll zu sein, wir werden es genauer unter die Lupe nehmen. Eine erste Recherche zeigt, das der rote Drache symbolhaft für Philosophie steht, in den Schatten aber auch das Sinnbild für eine Untergliederund der Yakuza darstellt, der sich prinzipiell um Wetwork kümmert. Keine sehr angenehmen Aussichten.

Währenddessen verfolgt Hagen die Spuren durch den Wald und hat dabei festgestellt, das hier möglicherweise Magie im Einsatz war. Die Krallenspuren finden sich auch an einigen Bäumen wieder, sehen aber bei näherer Betrachtung so aus, als ob sie alle von einer rechten "Pranke" kommen. Möglicherweise ist ihr Ursprung weniger animalisch als wir denken. Auch die Spur eines Autos, zu dem das Lebewesen anscheinend geklettert ist, bestärkt diese Vermutung. Möglicherweise handelt es sich um Armschienen oder Cybersporne.

Dann kommt auch schon die Polizei mit einem Großaufgebot von vier Mannschaftsbussen und einem Helikopter, das alle Anwesenden vernimmt. Wir erfahren, das es sich bei dem Opfer um einen der ermittelnden Kommissare handelt, die in der Mordserie aktiv sind. Nach dem Verhör kann ich wieder in meinen "Wohnwagen" gehen, von dem aus ich das Treiben noch einige Zeit beobachte, mich dann aber doch ins Bett lege. Das ist ja mal ein merkwürdiger Anfang für ein neues Jahr.
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Re: Sputniks Aufzeichnungen (wie einfallsreich, Sputnik...)
« Antwort #64 am: Sonntag, 13. Oktober 2013; 23:56:54 Nachmittag »

Nachdem wir die ersten Infos verdaut hatten, bekam die Sache mit den nächsten Rechercheergebnissen einigen Rückenwind. Wir starten damit, den Spuren von Silvester nachzugehen und stoßen dabei auf Hinweise, die eine Beteiligung der Yakuza nahelegen. Ups? Gedankliche Notiz an mich: Dringend die Sicherheitseinstellungen prüfen und meine Notfallpläne überarbeiten. Die Spuren führen zu vier Yakuzas - zwei Kämpfer, ein begabter Zauberkundiger und ein ancheinend begabter und erfahrener Technomancer. Die Kämpfer sind entweder schwer vercybert oder erfahrener Ki-Adept. Sie gehören zu einer Untergliederung der Yakuza, die sich die ¨Krallen des Drachen¨ nennen. Und die haben wir nun als Gegner - na wunderbar.

Einschlägige Untersuchungen von Hagen und mir bringen einige Verbrechen dieser vier zu Tage - vielfach vorbestraft ist dabei nur eines der Probleme.
Nach vielen Recherchen und Befragungen finden wir schließlich eine Spur, die zu einer Klinik in Freiburg führt, die sehr Metamenschenfreundlich ist. Etwa 80% der Opfer wurden schon einmal hier behandelt und wir untersuchten, was es mit der Verbindung auf sich haben könnte. Dabei stießen wir auf eine interessante Spur: Herr Dr. Frey, der Chefarzt der Klinik, wirkt auf den ersten Blick sehr metamenschenfreundlich - doch wir finden heraus, das er den Mördern die Akten über die Opfer zugespielt hat. Er hat Verbindungen zur Familie Schubert, die in Freiburg ansäßig ist und bekannt konservativ-rassistisch eingestellt ist. Die Schuberts haben Macht und Einfluss in Freiburg und finanzieren sich unter anderem über eine große Spedition, die in Freiburg auch mehrere Lagerhallen betreibt. Eine davon dient anscheinend den Yakuzas als Quartier, in einer anderen unternimmmt der Dr. anscheinend merkwürdige Experimente mit Implantaten, Körperteilen etc.
Jessi Blu und Hagen statten der Lagerhalle des Doktors einen Besuch ab - dabeii kommt es zu Schwierigkeiten, die unter anderem eine Trollkavallerie in Form der Doom Twins auf den Plan ruft.

Hagen und Jessi ziehen sich in Hagens Wohnung zurück, um ihre Wunden zu lecken. Kurz vor knapp bekomme ich mit, das die vier Yakuzas auf dem Weg sind zu ihnen und kann sie gerade noch rechtzeitig warnen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, die wir knapp für uns entscheiden können. Gemeinsam sorgen wir dafür, das die Spuren nicht zu uns weisen

In den Tagen danach steht Aufrüstung auf dem Programm. Über Matrixkontakte organisieren wir uns bessere Bewaffnung, Jessi Blu schaut sich auch nach Möglichkeiten um, schneller und gewandter zu werden und sich mit Augmentations einzudecken. Die neuen Waffen werden modifiziert - größere Magazine, spezielle Sicherheitssysteme und andere Modifikationen werden in die Waffen eingebaut, wobei mir sowohl Antonius als auch eine der Werkstattdrohnen zur Hand gehen. Ebenso kaufe ich Notfallrationen, Vorräte und weitere Ausstattung, um mich im Notfall mit Old Lissy absetzen zu können. Ebenso schaute ich mir das Kartenmaterial an, um den einen oder anderen Platz zu finden, Fluchtrouten festzulegen und Ausweichpläne zu machen.

Am 09. Januar machen Jessi und ich einen Ausflug in das Umland von Freiburg. Wir nutzen den Ausflug, um uns mit den neuen Waffen vertraut zu machen. Ich will meine neuen Drohnen und deren Bewaffnung ausprobieren - einige gefährliche Baumgegner müssen dran glauben. Zwischendurch grillen wir, abends geht es dann wieder zurück nach Freiburg. Dort treffen wir uns mit Karl, um die letzten Informationen weiterzugeben. Er zahlt uns den vereinbarten Zusatzsold (6x 20k für die weiteren Infos) sowie einen Bonus in Höhe von 20K für uns als Team. Das nenne ich mal großzügig. Und möglicherweise hat er auch in Zukunft Aufträge für uns.

Ebenso überläßt er mir speziell noch eine verschlüsselte Datei. ich bin gespannt, was es damit auf sich hat.

Für die nächsten Tage stehen weitere Vorsichtsmaßnahmen und Waffenmodifikationen an. Außerdem wird es Zeit, auf allen Drohnen ein Update der Firewall, der Systemsoftware und der jeweiligen Pilotensoftware durchzuführen und einige Autosofts zu installieren. Alles in allem kostet das eine schöne Stange Geld, aber das ist mir meine Sicherheit wert. Und wo wir gerade bei dem Thema Sicherheit sind, überarbeite ich auch die Sicherheitseinstellungen für die Werkstatt erneut und überarbeite ebenso meine Sicherheitsmaßnahmen, die ich in der Matrix getroffen habe - Nachjustierung der Honeypots, Löschen von ein paar Informationen und Streuen von falschen Infos sind einige der getroffenen Maßnahmen. Wir sind alle gespannt, welches Nachspiel diese Geschichte noch haben wird. Unter anderem erfahren wir, das die organisierte Kriminalität in Freiburg erstaunlich ruhig ist in den letzten Tagen - die Ruhe vor dem Sturm?
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Re: Sputniks Aufzeichnungen (wie einfallsreich, Sputnik...)
« Antwort #65 am: Sonntag, 09. Februar 2014; 02:59:10 Vormittag »

16. Januar 2073, Freiburg:

Im Nachgang der Aktivitäten rund um die Klinik und die Krallen des Drachen schaukeln sich in Freiburg die verschiedenen Fraktionen der organisierten Kriminalität und der hiesigen Gangs gegenseitig auf. Durch umfangreiche Recherchen kann ich mir einen Überblick über die hiesigen Unterweltorganisationen, deren Struktur und die Verbindungen untereinander machen und stoße sozusagen in ein Wespennest an kompliziert miteinander verwobenen Beziehungen, die das Herz eines jeden Sozialwissenschaftlers höher schlagen lassen würden.

Allen gemeinsam ist, das sie die neuen coolen Kids im Block, nämlich die Krallen des roten Drachen, alle nicht leiden können. Die bisher dominante Vory fühlt sich durch die Yakuzas mächtig auf den Schlips getreten, aber auch die "Freiburger Teufel", ihres Zeichens die größte Gang hier, sind von den Japanern nicht unbedingt angetan. Und dann gibt es da noch die Mafia, die sich generell eher ruhig zeigt, aber auch nicht sonderlich gut zu sprechen ist auf die "Neuen". Zu den verschiedenen Gruppierungen und Aktivitäten sammele ich einiges an Infos - Aktivitäten, Schattenkonten, Geldbewegungen und weitere interessante Informationen finden unbemerkt ihren Weg in meine Datenspeicher, wo sie gleich darauf verschlüsselt und mit einer hochwertigen Datenbombe gesichert gespeichert werden.

Die Matrixsicherheit der organisierten Kriminalität ist hier in Freiburg guter Durchschnitt, aber kein wirkliches Hindernis. Nach guter Vorbereitung habe ich Zugang zu allen Systemen.

Nachdem ich mir die verschiedenen Vorgänge und auch die Aktivitäten der Fraktionen unter- und gegeneinander angesehen habe, fange ich meinerseits mit Aktivitäten an. Getreu dem Motto "Feuer mit Feuer bekämpfen" sorge ich für ein paar zusätzliche Spuren, die von einem zum anderen führen. Durch kleinere Manipulationen hier und falsche Datenspuren dort sorge ich dafür, das sich die verschiedenen Fraktionen langsam in einen kritischen Zustand manövrieren, der sie vielleicht zu offenen Handlungen untereinander bringt. Möglicherweise würde das ja dabei helfen, die Fraktionen im Allgemeinen auszudünnen oder soweit zu beschäftigen, das sie andere Leute und speziell uns aus den Augen verlieren. Quasi ein Nebenprodukt ist eine kleine Finanzspritze, deren Quelle manigfaltige Schattenkontos darstellen und die - sauber gereinigt und nicht zurückverfolgbar - zu einem meiner Schattenkonten führt. Während dieser Aktivitäten rund um die organisierte Kriminalität erreichen meine eigenen Sicherheitsvorkehrungen ganz neue Höhepunkte - ich war vermutlich noch nie so gut gesichert und abgeschirmt unterwegs wie bei diesen Hacks. Gefälschte IDs, Signaturen, Proxys, Umleitungen und Weiterleitungen sind ebenso Teil des Programms wie ein sehr hohes Stealthsystem und vorsichtige und gut geplante Aktionen in der Matrix.

Vor dem uns bekannten Krankenhaus kam es schließlich auch am 09. Januar zum Showdown zwischen der Vory, den Freiburger Teufeln und bewaffneten Sicherheitskräften. Im Rahmen der schon fast bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen wird die Klinik stark beschädigt und die Rockergruppe fast aufgerieben. Auch die Vory muss einige Verluste hinnehmen. Was mich interessiert: Wer steckt wohl hinter diesen Aktivitäten? Die ganzen Vorgänge, die zu diesen Auseinandersetzung geführt haben, wirken bei näherer Betrachtung eher fingiert als echt. Trotzdem hat dieser Kampf in ganz Freiburg und auch darüber hinaus deutliche Auswirkungen. Unter anderem erklärt der Bürgermeister am folgenden Tag (Dienstag, 10. Januar 2073) den Notstand, entsprechende Regeln treten in Kraft. Eine dieser Regeln ist eine tägliche Ausgangssperre von 21:00 - 06:00 Uhr, die sehr hart durchgesetzt wird. Ebenso werden auch die Waffengesetze verschärft und Sicherheitszonen eingerichtet.

Die organisierte Kriminalität ist in den folgenden Tagen extrem ruhig. Die Yakuza igeln sich komplett ein, fahren sämtliche Sicherheitsmaßnahmen auf ganz neue Stufen und halten sich im Hintergrund. Die Vory mauert sich ebenfalls ein, sie versuchen aber auch, das Machtvakuum, das durch die Zerschlagung der Freiburger Rocker entstanden ist, für sich zu nutzen. Die Mafia ist auch weiterhin ruhig, hat sich aber auch in den Krieg nur spärlich eingemischt.

Hagen und ich nutzen unsere neuen Finanzmittel, um jeweils eine neue SIN mit Lizenzen und einer sauberen Zulassung als Söldernunternehmen zu erhalten. Wenn die Zustände weiter so sein würden - entweder hier oder in anderen Gebieten in Freiburg und Umland - dann wäre es sicherlich hilfreich, wenn man auch an schwerere Waffen und Fahrzeuge rankommen würde. So bin ich jetzt also neben meiner Tätigkeit als Student, Projektleider / Geschäftsleitungsassistenz und Rollenspieler auch noch Geschäftsführer eines Söldnerunternehmens mit Namen "OREO42", über dessen Form und Gestaltung ich mir einige Gedanken mache. Ebenso ertappe ich mich dabei, wie ich - nicht zum ersten Mal, soviel sei gesagt - mir Gedanken darüber mache, ob ich Freiburg nicht besser verlassen sollte. Aber Andererseits: Woanders ist auch nicht alles Friede, Freude, Eierklauen. Hier in Freiburg ging es zugegebenermaßen hoch her, aber mittlerweile kannte ich mich hier aus, kannte die Stadt und das Umland und hatte mir auch eine gute Kontaktbasis hier in Freiburg erarbeitet. Nicht zu vergessen die materiellen Resourcen wie zum Beispiel die Werkstatt hier Freiburg.

Also blieb ich erstmal hier, prüfte und ergänzte aber meine Notfallpläne auf Vollständigkeit, Korrektheit und Machbarkeit, um vorbereitet zu sein. Und dann kam das Angebot von Karl.
« Letzte Änderung: Montag, 10. Februar 2014; 12:34:40 Nachmittag von Sputnik »
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Re: Sputniks Aufzeichnungen (wie einfallsreich, Sputnik...)
« Antwort #66 am: Donnerstag, 13. Februar 2014; 12:23:46 Nachmittag »

16. Januar 2073 - 23:42 Uhr

Das Anliegen von Karl hatte es in sich - ich war froh, das ich meine Prüfungsarbeiten in den letzten Tagen schon abarbeiten konnte, sonst hätte mir sein Anliegen vermutlich ordentlich das Studium verhagelt.

Dabei war der Kern seines Anliegens nachvollziehbar. Er bat uns - Jessy, Hagen und mich - darum, das wir uns um das Problem mit der Yakuza kümmern sollten. Aufgrund unseres bisherigen subtilen und planvollen Vorgehens vertraute man uns soweit, als das wir für den Job anscheinend die Optimalbesetzung wären. Gewünscht war, die Yakuza nachhaltig und dauerhaft aus Freiburg zu vertreiben. Diesen Job ließ sich die Hand der Freiheit anscheinend ordentlich was kosten: Es war eine Prämie von 500.000 Euro ausgesetzt dafür. Und dies sollte noch einmal verdoppelt werden, wenn wir es auch noch schaffen würden, die Machenschaften, Verbindungen und Hintermänner des "Bundes der Traditionen" hieb- und stichfest zu beweisen, so das die Hinweise und Beweise auch unter schwerstem Beschuß durch Korruption und Vetternwirtschaft noch gerichtstauglich wären.

Prinzipiell also ein Auftrag, den ich von ganzem Herzen mittragen konnte, denn sowohl die Yakuza als auch dieser komische Bund waren mir ein Dorn im Auge, die Yakuza hatte gar schon für handfeste Probleme gesorgt. Gedanken machte ich mir allerdings über die Implikationen des Begriffes "nachhaltig" beziehungsweise "dauerhaft", was sowohl Karl als auch die Kollegen anscheinend aktuell so interpretierten, das wir das Yakuzaquartet gezielt ausschalten würden. Wetwork, wie man sowas wohl auch bezeichnete. Und ein Fakt, mit dem ich noch nicht so ganz im Reinen war. Dazu gingen mir einige Gedanken durch den Kopf, die die verschiedenen Argumente für diesen Fall abwogen. Auf der einen Seite stand ganz klar die Bedrohung, die durch diese vier Yakuzas ausging. Neben den diversen Straftaten, die diese schon begangen hatten war auch nicht auszuschließen, das sie durchaus auch ein weiteres Mal versuchen konnten, uns zu erwischen, wie sie es schon einmal probiert hatten. Und bei diesem nächsten Mal würden sie vermutlich vorsichtiger sein, da wir ihnen schon einmal die Tour versaut hatten.

Klares Kontraargument war natürlich, das wir durch die gezielte Tötung dieser vier Personen selber eine Straftat begingen - und moralisch gesehen durch diese Tat keineswegs besser wären als die Yakuzas. Auch ein Mord für einen guten Zweck blieb am Ende des Tages trotzdem ein Mord. Ich würde darüber noch zu grübeln haben und hoffte, das es eine weniger drastische Möglichkeit gab, diese Situation zufriedenstellend zu lösen. Aber dafür benötigten wir erst einmal Informationen.

Ein anderer interessanter Punkt an diesem Auftrag war der Zuwachs, den wir durch Karl bekommen hatten. Er hatte uns mit einem Herrn "Cohen" bekannt gemacht, der eine wichtige Lücke in unserem Team schließen sollte. Cohen war magisch begabt, was gerade für diesen Auftrag sehr wichtig war. Unsere Informationen besagten, das einer der Yakuzas ein initiierter Magiebegabter war - umso wichtiger war es, das wir auch über magisches Potential in unseren Reihen verfügten, um von solch nützlichen Dingen wie Spruchabwehr, Heilmagie und anderem sinnvollen Mullumullu profitieren zu können. Zweiblum war ja leider nicht greifbar, da er auf irgendeiner Forschungsreise unterwegs war, aber unser "Neuer" machte zumindest mal einen guten ersten Eindruck. Er schien über einen netten Trick des Gestaltwandelns zu verfügen - darüber mußte ich bei Gelegenheit noch mehr herausfinden.

Die Aufgabe war herausfordernd. Unser Gegner war fähig, kompetent, gut ausgerüstet und verfügte anscheinend auch über gute Verbindungen. Es würde nicht ganz so einfach werden, die Ratten aus ihrem Bau zu treiben. Mit diesen Gedanken im Kopf kam ich um kurz vor Mitternacht beim Wohnheim an - ich hatte beschlossen, die heutige Nacht hier zu verbringen. Auch ein subtiler Shadowrunner muss ab und an mal seine Wäsche waschen.
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